Transalp 2005




Bericht von Christian Böttger um die acht etappige Tour vom Tegernsee über die Alpen bis zum Gardasee.



Hallo zusammen,

wir dürfen uns kurz vorstellen. Wir, der Andi, der Flo und der Christian verbringen einen Teil unserer Freizeit auf dem Fahrrad. Wir bewegen unsere Mountainbikes durch die Fränkische Schweiz oder erklimmen mit unseren Radln auch höhere Berge als den Geisberg und toben uns in den Alpen aus.
Doch irgendwann wurden die Berge zu flach und die Strecken zu kurz und so kam es wie es kommen musste: wir fahren über die Berge zum Gardasee. Mit den Vorbereitungen begannen wir schon Ende 2004. Schnell wurde klar, dass wir nicht zu dritt auf Tour gehen, sondern zu fünft, an vier von den acht Tagen sogar mit 7 Leuten. Ein Kommilitone vom Andi und Christian hatte das gleiche Unternehmen mit seiner Freundin und deren Arbeitskolleginnen vor und so lag es nahe, gemeinsam zu fahren.
Seitdem wurde geplant und geplant. Zuerst musste die Route festgelegt werden. Als Startpunkt wurde der Tegernsee auserkoren und als Ziel natürlich, wie sollte es auch anders sein, das Moutainbikeeldorado mit seinen traumhaften Trails: Riva del Garda. Acht Tage später sollten wir nach ungefähr 480 km und ca. 14000 Hm am Gardasee einrollen. Somit wurden die einzelnen Etappen mit 40-60 km und 1500-2000 Hm täglich geplant, die Übernachtungen gebucht, die GPS – Daten bestellt, Nepro-Sport Portionsweise verpackt und zigmal das Rucksackgewicht optimiert.
Alle fieberten dem Starttag entgegen, machten Ihre Räder startklar und selbst kleine Pannen, wie defekte Bremsen eine Woche vor Tourbeginn, konnten die Vorfreude nicht trüben. Die konditionelle Vorbereitung war zum Teil anstrengend, es sollte sich aber rausstellen, dass jeder gefahrene Kilometer nicht umsonst war.
Das schwere Unwetter mit Überschwemmungen im Alpenvorland kurz vor Tourbeginn brachte das Unternehmen Transalp ins wanken. Es wurde telefoniert und nachgefragt ob Gebiete betroffen sind, die auf unserer Route liegen. Mit Erleichterung stellte sich heraus, dass wir freie Fahrt hatten.
So nun noch das obligatorische Nudelessen am Tag vor der Abreise zum füllen unserer Kohlehydratspeicher und dann sollte die Mission „Transalp 2005“ beginnen.


1. Etappe
Tegernsee - Zell am Ziller

Am 24. August war es dann soweit, die erste Etappe ging vom Tegernsee über die Monialm, das Forsthaus Vallep und die EJH-Klause nach Zell am Ziller im Zillertal.
9.30 Uhr war es dann soweit: „Auf die Radln hupft!“. Mit großer Begeisterung und vollen Energiespeichern absolvierten wir gleich ein paar extra Kilometer und Höhenmeter. Die Überbleibsel der starken Regenfälle in den vergangenen Tagen waren zwar noch zu erkennen, beeinträchtigten unsere Etappe aber nicht. Am Ziel in Zell, gegen 15.30 Uhr angelangt, standen 90 km und 1235 Hm auf dem Tacho. Jetzt war Entspannung angesagt und essen, essen, essen.





2. Etappe:
Zell am Ziller – Schlegeisspeicher - Pfitscherjoch

Am nächsten Morgen nach einem ordentlichen Frühstück startete um 8.45 Uhr die zweite Etappe jetzt mit der gesamten Truppe. Der Weg führte uns von Zell über den Schlegeisspeicher zum Pfitscherjochhaus. Wir wurden die ganze Auffahrt bis zum 2276 m hochgelegenen Ziel mit Sonne verwöhnt. Die angekündigte Trage und Schiebepassage war stellenweise befahrbar und die neu angelegte Strasse bis hinauf zum Pfitscherjochhaus wurde ebenfalls auf dem Rad zurückgelegt. Somit war die zweite Etappe nach 36 km und 1726 Hm schon 14.00 Uhr geschafft und wir konnten uns in Ruhe entspannen und Berge auf uns wirken lassen und den ersten Kaiserschmarrn der Tour genießen.






3. Etappe:
Pfitscherjoch – Pfunderer Joch - Ehrenburg

Nach einer kalten und regnerischen Nacht im 8-Bett- Zimmer und einem etwas spärlichem Frühstück wurden alle Sachen, die sich in unseren Rucksäcken befanden, angezogen und sich auf die Abfahrt vorbereitet. Bei 6°C und dichtem Nebel starten wir, zugepackt wie die Eskimos in den dritten Tag. Nach der langen Abfahrt stand nun die steilste und schwerste Auffahrt der Tour bevor. Gegen 13.00 Uhr erreichten wir den höchsten Punkt unseres Vorhabens, das Pfundererjoch auf 2570 Hm. Hier mussten wir anders als erwartet die letzten Kilometer bis zum Joch schieben, wurden allerdings mit einer traumhaften Abfahrt belohnt, welche die Strapazen des Aufstieges vergessen lies.
Einige von uns übten dabei den eleganten Abstieg über den Lenker, was mit einem Sturz in einem noch dampfenden, von unseren Milcherzeugern gut platzierten Häufchen belohnt wurde. Nach dem ersten Drittel der 1800 Hm und über 20 km langen Abfahrt war auf einer urigen Alm Zeit für eine kleine Stärkung. Der Rest der Etappe wurde im Tal zurückgelegt und 16.45 Uhr nach 62 km und 1281Hm kamen wir hungrig an unserem Ziel an. Nach einer kurzen Kur unter der Dusche zogen wir durch Ehrenburg, um unseren enormen Hunger zu stillen. Letztendlich fanden wir das einzige Restaurant im Ort, was uns durch kleine Portionen und gehobene Preise die komplette Tischgarnitur und sonstige Schmankerl wie 27 Tütchen Grissini vertilgen lies.







4. Etappe:
Ehrenburg – St. Vigil – Armentara Wiesen - Corvara

Die vierte Etappe startete mit einem guten Frühstück und Sonnenschein schon am frühen Morgen. Gegen 8.00 Uhr stiegen wir besattelt auf unsere „Pferde“ und radelten in Richtung Ritjoch los. Bei Kaiserwetter kamen wir nach kurzem Hindernislauf im Wald an Maria Saalen vorbei in Richtung St. Vigil. In der Ortsmitte von St. Vigil plünderten wir einen Supermarkt und sorgten für unser Mittagessen, bestehend aus Vinschgauern mit würzigem zentimeterdickem Bergkäse. Mit unserer Mahlzeit auf dem Rücken strampelten wir dem Ritjoch entgegen und nach einer kurzen aber steil ansteigenden Irrfahrt fanden wir den wohl schönsten Mittagsplatz der Tour. Wohl gestärkt ging es anschließend über die Armentarawiesen (sehr sehens-wert) in Richtung Corvara, unserem heutigen Etappenziel. Unterwegs war der erste und einzige große Boxenstopp der Tour: Kette gerissen. Nach der halben Stunde ungewollter Pause ging es im doppelten Tempo bis Corvara. Vor dem Essen in einer Pizzeria wurde der nächste Supermarkt geplündert und als Vorspeise wurden Milchbrötchen mit Schokolade vertilgt. Nach den 2268 Hm und 64 km war die Vorspeise dringend nötig. Manche hatten dann allerdings nur noch Platz für eine Kinderportion Spagetti. Hauptsache aber, es waren alle satt.





5. Etappe:
Corvara – Passo Incisa – Passo Pordoi – Canazei – Passo Lusia

Nach einer angenehmen Nacht in den komfortabelsten Zimmern der Tour startete der 5.Tag mit dem reichhaltigsten Frühstück der acht Tage. Zwei von den sieben Teilnehmern verabschiedeten sich jetzt und fuhren in Richtung Heimat, ihr Urlaub war zu Ende.
Die anderen fünf bestiegen mit mittlerweile schmerzendem Po ihre Sättel und radelten über den Passo Incisa in Richtung Arabba und dann hinauf zum Passo Pordoi. Nach einer kurzen Mittagspause auf dem Pass, begann eine wilde Abfahrt auf der Straße nach Canazei, bei der Busse und zahlreiche Autos überholt wurden. Anschließend führte uns der Weg im Tal weiter bis Moena, bevor die letzten 800 Höhenmeter hinauf bis zum Passo di Lusia bezwungen werden mussten, auf dem das Nachtquartier gebucht war,. Kurz vor 16 Uhr waren wir nach über 2000 Hm und fast 70 km am Etappenziel.






6. Etappe:
Passo Lusia – Predazzo – Manghenpass – Albergho WWF

Am nächsten Morgen wurde durch das erneut zu klein ausgefallene Frühstück der Hunger angefacht, sodass wir im Tal angekommen mal wieder einen Supermarkt aufsuchen mussten, um dem Problem Herr zu werden. Nachdem wir in Predazzo dem Hunger den garaus gemacht hatten, fuhren wir noch ein Stück im Tal entlang bis der Abzweig zum Mangenpass kam, dem wir dann folgten. Das war der einzige Anstieg an diesem Tag, der sich mit 1300 Hm am Stück als gut anstrengend herausstellte. Danach ging es noch ca. 5 km bergab und wir übernachteten in einer Jugendherberge. Sehr spartanisch in der Einrichtung aber überzeugend durch reichhaltiges Essen brach die vorletzte Nacht in der Jugendherberge an.





7. Etappe:
Albergho WWF – Borgo – Kaiserjägerweg – Passo Sommo – Rifugio Stella d‘Italia

Am siebten Tag starteten wir mit dem Wissen, eine lange Abfahrt vor uns zu haben. Es waren 1400 Hm und traumhafte noch dazu. Man merkte den Klimawandel deutlich. Wir hatten uns auf 1500 m warm angezogen. Weitere 1000 Hm tie-fer begannen wir schon alleine durch das Hinunterrollen zu schwitzen. Nach einem 2. kurzen Frühstück in Borgo strebten wir dem Kaiserjägerweg entgegen. Auf halber Höhe des Kaiserjägerweges wurden wir zu einer unfreiwilligen Pause gezwungen. Die Felshänge oberhalb der Strasse wurden mit neuen Netzen gesichert. Nach zehn Minuten Pause, in der sich nahezu dreißig Radfahrer ansammelten, durften wir die Baustelle passieren und unseren Weg fortsetzen. Bis wir an unserem Etappenziel, der Skihütte Stella d´Italia ankamen, durchquerten wir viele kleine, malerische italienische Dörfer. Ein noch richtig schöner lauer Sommerabend vor der Hütte versüßte uns die letzten Stunden an diesem Tag.





8. Etappe:
Rifugio Stella d‘Italia – Passo Coe – Malga Bisorte – Roveretto – Riva del Garda

Nach einem reichhaltigen Frühstück begann die restliche Auffahrt bis zum Passo Coe. Danach freuten sich alle auf einen Wahnsinns-Downhill, der in der Karte mit 24% Gefälle angegeben war. Die ersten fahrbaren Meter wurden von allen noch glücklich absolviert. Danach wurde der Weg aber zu einer Geröllrinne und einige von uns verließen ihr Rad auf dem unkonventionellen Weg über den Lenker, zum Glück ohne größere Verletzungen. Wir stapften die Rinne ungefähr eine Stunde hinunter, bis wir wieder die Zivilisation erreichten und unseren Weg auf der Strasse fortsetzen konnten. Danach noch mal 1000 Hm hoch und 1300 Hm runter und unser Ziel war greifbar nah. Nach diesem verkorksten Downhill am Morgen entschädigte die letzte Abfahrt alle Strapazen an diesem Tag. In Rovereto angekommen, lotste uns das GPS durch den Stadtdschungel und unser Ziel kam unauf-haltsam näher. Nachmittags liefen wir dann am Gardasee ein und jeder belohnte sich mit einem Rieseneisbecher. Bei herrlichem Wetter drehten wir noch eine Runde im Gardasee, natürlich diesmal ohne Rad und aßen danach noch eine Pizza. Schließlich wurden die Räder aufs Dach vom Auto geschnallt und ab durch die Mitte in Richtung Heimat.







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Streckenprofil der Transalp 2005 (PDF)




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